Planet Diversity World Congress on the Future of Food and Agriculture

Vorteilsausgleich

Legitimierung der Umwandlung von Natur und Wissen

Organisator: Karsten Wolff, Thanal, Indien

Redner: Mariam Mayet, African Centre for Biosafety, Südafrika
Ushakumari Jayakumar, Thanal, Indien

Outline:
Dieser Workshop beschäftigt sich mit der Umwandlung von Wissen und biologischer Vielfalt, die Grundlage der Biodiversitätskonvention (CBD), und das Konzept des Vorteilsausgleichs. Die vorherrschende Einstellung, alles und jedes in Gebrauchsgegenstände für den Handel zu verwandeln, läßt immer weniger Raum für gemeinsame Inhaberschaft. Die Ausnutzung für den privaten Gewinn hat Gemeinschaftsinteressen und öffentlichen Besitz systematisch verringert. Das Konzept des Vorteilsausgleichs ist ein Hauptmodul dieses Denkmuster von biologischer Vielfalt und traditionellem Wissen. In den letzten Jahren wurde vor allem über die Machbarkeit des Vorteilsausgleichs diskutiert, wobei das Konzept selber von den CBD Akteuren kaum in Frage gestellt wurde.

In diesem Workshop wollen wir dieses Denkmuster zum Wackeln bringen, indem wir uns verschiedene Beispiele von Biopiraterie und Vorteilsausgleichsabkommen ansehen. Eines davon erlangte as Erfolgsstory internationales Aufsehen (s. Earth Summit 2002): Das TBGRI-Kani Abkommen in Kerala, Indien. Dieses Abkommen wird international als Pioniermodell angesehen. Allerdings kam dieses Abkommen zustande bevor die freiwillige und vorherige Zustimmung der Wissenshüter bzw. der traditionellen Stammesführer  oder der Gemeinschaft eingeholt wurde. Die Ressourcenrechte der Kani verschlechterten sich nach der Kommerzialisierung der Arogyapacha Heilpflanze und der begrenzte Zugang zu einer vormals traditionellen Kani-Ressource wurde kriminalisiert. So hat dieses Vorteilsausgleichsabkommen zu Spaltungen und Konflikten in der Kani Bevölkerung geführt und das Führungsmuster dieser Ureinwohner verändert. Ein weiteres Fallbeispiel wird aus der Ostkapprovinz, Südafrika, vorgestellt. Hier geht es um zwei Arzneipflanzen, Pelargonium sidoides und Pelargonium reniforme. Dies ist ein ungewöhnlicher Fall, der eine Reihe von Themen beinhaltet: Bioprospecting endemischer Arten in Südafrika/Lesotho; negative Umweltauswirkungen und darauffolgende Verbote der Wildernte und des Exports der Ressourcen; grobe Unfairneß in der Aufteilung der Erlöse aus dem Nutzen der biologischen Ressourcen and offensichtliche Veruntreuung und Umwandlung von biologischen Ressourcen und traditionellem Wissen. Kern dieser Komplexität ist die sehr lukrative Phytomedizin, die in Europa und den USA von einem deutschen Pharmaunternehmen vermarktet wird, sowie drei internationale Patente, die vom Europäischen Patentamt auf eben dieses Unternehmen übertragen wurden.

Diese Fallbeispiele zeigen die wesentlichen Defizite eines jeglichen Vorteilsausgleichsabkommens auf, wobei eine Seite dazugehört und eine andere ausgeschlossen wird, obwohl sie seit Jahrhunderten ebenfalls an der Konservierung der  biologischen Vielfalt und des Wissens beteiligt ist. Diese Fallbeispielen sollen deutlich machen, warum Vorteilsausgleich eine “totes Konzept" (Devinder Sharma) ist Vorteilsausgleich wird von Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern äußerst clever eingesetzt, um Unternehmensinteressen zu fördern. Dabei werden die Rechte der Ureinwohner, die das Wissen zu der gewünschten Ressource haben, ignoriert. Die Fallbeispiele werden vorgestellt, um eine neue alternative Vorgehensweise zu ermöglichen und um die gegenwärtige zu diskutieren, die auf der Umwandlung von genetischen und biologischen Ressourcen und traditionellem Wissen basiert. Nach Konsultationen mit Basisorganisationen in Indien und Südafrika wollen wir unser eigenes Denkmuster entwickeln, um mit biologischer Vielfalt und Wissen auf eine unaufdringliche Art umzugehen. Alle, die ihre Erfahrungen teilen wollen sind eingeladen, um ein globales Netzwerk aufzubauen.
Wir wollen öffentlichen Besitz zurückfordern und die immer mehr enteigneten Bevölkerungsgruppen stärken.

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