Planet Diversity World Congress on the Future of Food and Agriculture

Gedichte von Dorothee Mayer-Tasch

sie ging im walde
sie sprach mit den bäumen
sie lauschte
dem wind

sie brach den zweig
sie knickte das gras
sie hob den fuß
sie erschrak

eine blume
hell wie ein stern
schimmerte sanft
im moos

eine stimme
zart wie ein hauch
ließ sie
erbeben

hör zu
klang es in ihr
der zweig
das moos
die blume
du

ihr atem
stockte
ihr herz
schlug

ihr blut
wie des waldes
rauschen

nach Goethe, Ich ging im Walde so für mich hin …

 

ich besinge
den blätterfall
das wachsen des grases
die winde die klette den farn
und die frucht am baum

die nessel deckt
den brüchigen boden
seidelbast und wachholder
schafgarbe sonnenhut und johanneskraut
blühen und reifen
von monat zu monat
jahr um jahr

sieh die olive
die pralle traube
den grüßenden zweig
und das rankende blatt

der knorrige stamm
trägt die sonne des jahres
ruhend
in wachsen und welken

 

liebe
eine grille – wirklich - und nicht eine blauseidige libelle
und nicht hirtentäschel und klatschmohn und frauenschuh?
es war nur ein feldweg ein langer staubiger feldweg
und an sonne kaum noch zu denken grau zog eine dicke wolke auf?
eine brille – wirklich - die rosig verklärt?
dass ich die welt nicht wahrnehme wie sie nun einmal ist?

es ist wahr es gefällt mir die dinge und dich zu verzaubern
es gefällt mir nicht alles wahrzunehmen
nicht selten dichte ich etwas hinzu
und auch die erinnerung liebe ich zu bereichern
es ist wahr ich gehe nicht gern staubige wege
und wenn ich die augen nicht völlig verschließe
sehe auch ich eine dicke wolke
ich sehe auch du bist dicker geworden
und früher hast du mir worte der liebe
ins ohr geflüstert und blumen geschenkt
und einmal im wald erinnerst du dich
sahen wir silbrig den frauenschuh
und es dufteten grün das moos und der farn
und unhörbar rauschten libellenflügel
und ein samtener himmel schimmerte
und es schlang sich ein weg
und am wegsaum - jetzt hör ich’s - die grille
und du schlangst deinen arm um mich

einmal war es auch eine enzianwiese
da hast du mich lange geküsst

lang lebe
der blätterfall
das wachsen des grases
es lebe der farn und das moos
und die frucht am baum

die nessel
decke noch lange
den brüchigen boden
und seidelbast und wachholder
schafgarbe sonnenhut und johanneskraut
mögen reifen und blühen
von monat zu monat
jahr um jahr

sieh die olive
oder die pralle traube
den grüßenden zweig
und das rankende blatt

der knorrige stamm
trägt die sonne des jahres
von wachsen und welken
unberührt

- Dorothee Mayer-Tasch

 

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