Planet Diversity World Congress on the Future of Food and Agriculture

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Reine Fakten

Die wichtigsten Fakten zu Planet Diversity
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Alles Wichtige in Kürze

„Planet Diversity“ – ein Weltgipfel der Vielfalt
12. bis 16. Mai 2008 in Bonn

„Lokal, Vielfältig, Gentechnikfrei“ ist das Motto von  „Planet Diversity“, dem internationalen
Kongress zur Zukunft von Lebensmitteln und Landwirtschaft. Er wird vom 12. bis 16. Mai 2008 in Bonn parallel zu den Verhandlungen der UN -Konvention zur Biologischen Vielfalt und des Cartagena Protokolls zur Biologischen Sicherheit stattfinden
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Hintergrundinfos

Eine vielfältige Zukunft
Internationaler Kongress zur Zukunft von Lebensmitteln und Landwirtschaft

Der rapide Verlust der Biodiversität und der Klimawandel sind die größten ökologischen Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit. Die Auswirkungen dieser eng miteinander verbundenen Phänomene mögen uns als Naturkatastrophen erscheinen, die unsere Zivilisation gefährden. Doch sie sind das Ergebnis gegenwärtig vorherrschender Formen dieser Zivilisation. Können diese globalen Bedrohungen mit denselben Rezepten gemeistert werden, die uns an diesen kritischen Punkt der Menschheits- und Naturgeschichte geführt haben? Ernährung und Landwirtschaft stehen im Zentrum des Problems. Eine Beschleunigung der Industrialisierung, Vereinheitlichung und Globalisierung der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ist mit Sicherheit nicht die Lösung, sondern wird die Probleme mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter verschärfen
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Flyer

Vielfalt statt Monokulturen!
Vom 12. bis 30. Mai verhandeln in Bonn die Vertreter von 190 Staaten im Rahmen der UN- Konvention für Biologische Vielfalt (CBD) darüber wie das weltweite Artensterben gestoppt werden kann. Die Lage ist dramatisch: 30 Prozent aller Arten, so schätzt die CBD, werden in diesem Jahrhundert aussterben. Auch die landwirtschaftliche Vielfalt steht vor dem Abgrund: 75 Prozent der zur menschlichen Ernährung genutzten Kultursorten sind nach Angaben der Welternährungsorganisation in den letzten hundert Jahren verschwunden...

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Reine Fakten

Die wichtigsten Fakten zu Planet Diversity

Motto: Lokal, vielfältig, gentechnikfrei!

12. Mai 2008:
Demonstration

Internationale Kundgebung zum Auftakt der UN-Biosicherheits-Verhandlungen
Treffpunkt: 10:00 Uhr, Kleine Blumenwiese auf den Rheinaue n, Bonn


12. Mai 2008:
Festival der Vielfalt

Internationale Info-Pavillons, Geschichten, Musik, Theater, Vorträge, Filme, Aktionen, Kinderprogramm, Tanz und regionale Spezialitäten aus aller Welt
14:00 bis 22:00 Uhr Kleine Blumenwiese auf den Rheinauen, Bonn


13. bis 15. Mai 2008:
Internationaler Kongress zur Zukunft von Lebensmitteln und Landwirtschaft

6 Plenarsitzungen, 20 Informationsmärkte und über 30 Workshops zu den Themen Ernährungssouveränität und Erfolge von Kleinbauern, Regionale Selbstbestimmung , Faire Beziehungen zu Konsumenten, Gentechnikfreie Regionen, Saaten der Hoffnung, Patente auf Lebewesen, Agrar-Sprit, Diversität und Klimawandel, Indigenes Wissen.

Rund 50 ReferentInnen aus allen Kontinenten – darunter unter anderem Jacob von Uexkull (Stifter des alternativen Nobelpreises) und die Träger des altern ativen Nobelpreises Percy Schmeiser (2007, Kanada), Ibraham Abouleish (2003, Ägypten, Gründer des Agrarunternehmens Sekem), Vandana Shiva (1993, Indien), Royoko Shimizu (1989, Japan).

Mit 500 Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus 90 Staaten: Landwirte, Gärtnerinnen und Vertreter von lokalen Initiativen, Umwelt, Entwicklungs- und Frauenorganisatinen sowie wegweisende DenkerInnen und AktivistInnen auf dem Gebiet der biologischen und kulturellen Vielfalt.
Gustav-Stresemann-Institut, Langer Grabenweg 68, 53175 Bonn


16. Mai 2008:
Öffentliche Präsentation der Ergebnisse des Kongresses, Exkursionen und Folgetreffen

 

 

Alles Wichtige in Kürze

„Planet Diversity“ – ein Weltgipfel der Vielfalt

12. bis 16. Mai 2008 in Bonn

„Lokal, Vielfältig, Gentechnikfrei“ ist das Motto von „Planet Diversity“, dem internationalen Kongress zur Zukunft von Lebensmitteln und Lan dwirtschaft. Er wird vom 12. bis 16. Mai 2008 in Bonn parallel zu den Verhandlungen der UN-Konvention zur Biologischen Vielfalt und des Cartagena Protokolls zur Biologischen Sicherheit stattfinden.
Auf einer internationalen Demonstration und einem bunten Festival für Groß und Klein präsentieren sich am Pfingstmontag, dem 12. Mai Hüterinnen und Hüter der Vielfalt in Landwirtschaft, Gartenbau und Esskultur aus aller Welt.
Vom 13. bis 15. Mai diskutieren rund 500 Menschen aus über 90 Ländern über die Zukunft von Landwirtschaft und Lebensmitteln: Vertreterinnen und Vertreter von Basis -Initiativen, Regionalregierungen, von Bauern-, Umweltschutz-, Entwicklungs- und Frauenorganisationen, Gärtnerinnen und Wissenschaftler, Indigene und Unternehmer. Sie wehren sich gemeinsam gegen Monokulturen, Gentechnik-Konzerne und globale Spekulation mit Boden, Wasser und Saatgut. Sie setzen auf vielfältige und nachhaltige Tradition en und Innovationen, auf Fairness und Lebenslust in allen Winkeln unseres Planeten.
Zu den Rednerinnen und Rednern bei „Planet Dive rsity“ gehören unter vielen anderen die alternativen Nobelpreisträger Vandana Shiva, Percy Schmeiser, Helena Norberg -Hodge, Ibrahim Abouleish, Ryoko Shimizu und Tewolde Egziabher. Außerdem kommen Jakob von Uexküll von dem World Future Council, der Träger d es World Food Preises Hans Herren, Wissenschaftler wie
der Präsident der latein-amerikanischen Gesellschaft für Agrarökologie Miguel Altieri, der Präsident der internationalen Gesellschaft für ökologische Agrarforschung Ulrich Köpke, der Theologe und Biologe Günter Altner, die Biologinnen und Aktivistinnen Christine von Weizsäcker und Florianne Koechlin.
Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft als Träger eines Organisationskomitees von internationalen NGO’s bereitet den Kongrss vor.

Weshalb ein Weltgipfel der Vielfalt?
Klimawandel und der rapide Verlust der biologischen Vielfalt stellen Landwirte, Verbrauch erInnen und PolitikerInnen vor große Herausforderungen.
Aus unterschiedlichen Ansätzen entsteht weltweit eine Bewegung zur Verteidigung der Vielfalt, ihrer Traditionen und ihres Innovationspotentials, gegen zerstörerische und bedrohliche Tendenzen in der Landwirtschaft, Landnutzung und Lebensmittelproduktion. Dazu gehören Monokulturen, Gentechnik, die Globalisierung der Agrarmärkte, steigende Lebensmittelpreise und die Vernichtung bäuerlicher Existenzen, nicht zuletzt durch Spekulationen mit sogenannten Bio-Kraftstoffen und anderen agrarischen Rohstoffen.

"Planet Diversity" will diese Bewegungen in aller Welt stärken und dabei auch eine gemeinsame Botschaft an die Vertreter der Regierungen und Institutionen bei der Rio -Konvention formulieren:
Die Zukunft unserer Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung liegt in ihrer biologischen wie kulturellen Vielfalt. Diese Vielfalt lässt sich nicht technisch konservieren, sondern kann nur von uns allen gemeinsam gelebt, genossen, respektiert und fortentwickelt werden . Alternativen Modellen nachhaltiger Landwirtschaft, dem Ökolandbau, dem freien Austausch von Saatgut und Wissen, fairem Handel und selbstbestimmten, gentechnikfreien Regionen gehören die Zukunft.

12. Mai 2008:

Demonstration
Internationale Kundgebung zum Auftakt der Biosicherheits -Verhandlungen der UN
Treffpunkt: 10:00 Uhr, Kleine Blumenwiese auf den Rheinauen
Festival der Vielfalt
Internationale Info-Pavillons, Geschichten, Musik, Theater, Vorträge, Filme, Aktionen,
Kinderprogramm, Tanz und regionale Spezialitäten aus aller Welt von 14:00 bis 22:00 Uhr
auf den Rheinauen

13. bis 15. Mai 2008:

Internationaler Kongress zur Zukunft von Lebensmitteln und Landwirtschaft Plenarsitzungen, Informationsmärkte und über 30 Workshops im Gustav -Stresemann-Institut zu den Themen Ernährungssouveränität und Zugang zu gesundem Essen, zu Saatgut, Wasser und Land; Faire Beziehungen zu Konsumenten; Gentechnikfreie Regionen; Patente auf Lebewesen und ihre Gene; Agrar-Sprit; Indigenes Wissen.
Mit Landwirten und VertreterInnen lokaler Initiativen sowie wegweisenden DenkerInnen und AktivistInnen auf dem Gebiet der biologischen und kulturellen Vielfalt.

16. Mai 2008:

Öffentliche Präsentation der Ergebnisse des Kongresses, Exkursionen und Folgetreffen

Anmeldung:

Kongress- Sekretariat:
c/o Zukunftsstiftung Landwirtschaft
Marienstraße 19-20, D- 10117 Berlin
Tel.: 0049 30 275 90 309
Fax: 0049 30 275 90 312
info@planet-diversity.org

Medien und Information:

Mone Volke
Tel: 0049 30 28 48 23 25
presse@planet-diversity.org
www.planet-diversity.org

 

Hintergrundinfos

Eine vielfältige Zukunft
Internationaler Kongress zur Zukunft von Lebensmitteln und Landwirtschaft

Der rapide Verlust der Biodiversität und der Klimawandel sind die größten ökologischen Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit. Die Auswirkungen dieser eng miteinander verbundenen Phänomene mögen uns als Naturkatastrophen erscheinen, die unsere Zivilisation gefährden. Doch sie sind das Ergebnis gegenwärtig vorherrschender Formen dieser Zivilisation. Können diese globalen Bedrohungen mit denselben Rezepten gemeistert werden, die uns an diesen kritischen Punkt der Menschheits- und Naturgeschichte geführt haben? Ernährung und Landwirtschaft stehen im Zentrum des Problems. Eine Beschleunigung der Industrialisierung, Vereinheitlichung und Globalisierung der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ist mit Sicherheit nicht die Lösung, sondern wird die Probleme mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter verschärfen.

Während der Verhandlungen der Konvention zur Biologischen Vielfalt und ihres Cartagena Protokolls zur Biologischen Sicherheit im Mai 2008 in Bonn organisieren wir "Planet Diversity", ein Festival und einen Kongress zur Vielfalt von Lebensmitteln und Landwirtschaft. Hier soll debattiert werden, wie Landwirte und Verbraucher und ihre Gemeinden gemeinsam die natürliche und kultivierte Vielfalt von Pflanzen und Tieren besser nutzen und erhalten können.

Aus unterschiedlichen Ansätzen entsteht gegenwärtig eine weltweite Bewegung zur Verteidigung dieser Vielfalt, ihrer Traditionen und ihres Innovationspotentials, gegen zerstörerische und bedrohliche Tendenzen in der Landwirtschaft, Landnutzung und Lebensmittelproduktion. "Planet Diversity" will diese Bewegungen in aller Welt stärken und dabei auch eine gemeinsame Botschaft an die Vertreter der Regierungen und Institutionen bei der Rio-Konvention formulieren: Die Zukunft unserer Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung liegt in ihrer biologischen wie kulturellen Vielfalt. Sie läßt sich nicht technisch konservieren, sondern kann nur von uns allen gemeinsam gelebt, genossen, respektiert und fortentwickelt werden.

Der globalen Kontrolle und Vereinheitlichung von landwirtschaftlicher Produktion und Saatgut steht ein Konzept der lokalen und regionalen Vielfalt in der Landwirtschaft und Agrarforschung gegenüber, das sich in verschiedenen Bewegungen manifestiert. Ein wichtiger gemeinsamer Nenner ist die Ablehnung gentechnisch manipulierter Pflanzen und Tiere in Landwirtschaft und Lebensmitteln. Dahinter steht freilich eine vielschichtige und vielfältige Bewegung lokaler und globaler Auseinandersetzung mit Lebensmitteln und ihrer Herstellung.

Bei der weltweiten Bekämpfung von Hunger und Armut, die größtenteils in ländlichen Regionen zu finden sind, spielt die Frage der landwirtschaftlichen Entwicklung eine entscheidende Rolle. Hier geht es vornehmlich um die Frage, ob landwirtschaftliche Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln den Menschen auf dem Lande Zugang zu Lebensmitteln und Wissen ermöglichen oder ob sie als störende Elemente von einer durchrationalisierten Industrieproduktion in die Slums neuer Mega-Städte vertrieben werden, wo ihre Arbeit nicht länger gebraucht wird.

Zunächst in Europa, aber zunehmend auch weltweit haben Regionen, Gemeinden und Zusammenschlüsse von Landwirten ihr Land zu gentechnikfreien Regionen erklärt. Sie bestehen auf Selbstbestimmung bei der ländlichen Entwicklung und setzen auf die lokale Vielfalt und Tradition ihrer Landwirtschaft, ihrer Lebensmitteltraditionen. Die Initiative für diesen "Weltgipfel" ging vom 3. Europäischen Kongreß gentechnikfreier Regionen zur Biodiversität und ländlichen Entwicklung im April 2007 aus.

Die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher auf der ganzen Welt lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab und wollen selbst entscheiden was sie essen. Viele von ihnen wollen nachhaltige und unverfälschte Produkte aus der eigenen Region und sind bereit, dafür auch Verantwortung zu übernehmen. Verbraucherinitiativen suchen deshalb den direkten Kontakt mit Produzenten um gesunde, wohlschmeckende und faire Alternativen zu einer zerstörerischen industriellen Landwirtschaft und Tierproduktion zu befördern. Einige von ihnen sind sogar bereit, sich als Ko-Produzenten, aktiv an lokalen und regionalen Lebensmittelkreisläufen zu beteiligen.

Zu den wichtigsten "gentechnikfreien Zonen" gehört alles Land, das nach den Prinzipien des biologischen Landwirtschaft bewirtschaftet werden. Diese vielleicht wichtigste Revolution in Bezug auf die ökologischen Grundlagen der Landwirtschaft wird ständig weiter entwickelt. Staatlich kontrollierte und gekennzeichnete Bio-Produkte erfassen dabei nur einen Bruchteil der faktisch nach Bio-Prinzipien produzierten Lebensmittel und durchaus noch nicht alle Bereicherungen, Neuerungen und Innovationen ökologischer Landwirtschaft.

Der Patentierung und Privatisierung des Saatguts in der Hand weniger transnationaler Konzerne setzen immer mehr Landwirte, Gärtnerinnen und Gärtner ihre eigenen Netzwerke entgegen, mit denen sie eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit auch künftigen Generationen und der gemeinschaftlichen Verfügung erhalten wollen. Es geht dabei sowohl um das Saatgut selbst, als auch um das Wissen und die Kultur, in die es eingebettet ist. In diesem Sinne sind die Saatguterhalter und –vermehrer Teil einer sehr viel weiter reichenden Bewegung für freien Austausch und Zugang zu Wissen und Erfahrung in allen Bereichen, beispielsweise auch bei der Entwicklung und Verbreitung von Software.

Die meiste Arbeit in der Landwirtschaft wird weltweit von Frauen erledigt. Sie sind traditionell die Kennerinnen und Bewahrerinnen des Saatgutes und des vielfältigen Nutzens von Pflanzen zur Ernährung und Erhaltung der Gesundheit. Sowohl in der traditionellen als in noch größerem Maße in der industriellen Landwirtschaft werden sie jedoch häufig vom Zugang zu den Produktionsmitteln (Land, Eigentum, Technologien, Wissen) abgeschnitten. Die Überwindung dieses grundlegenden Unrechts bietet das vielleicht größte Innovationspotential der Lebensmittelproduktion und ländlichen Entwicklung.

Globale Statistiken der landwirtschaftlichen Produktion (die zu einem immer kleineren Teil der der direkten Ernährung dient) unterschlagen oder unterschätzen den Beitrag der jenseits des Marktes für den unmittelbaren Verzehr produzierten Lebensmittel. Diese sogenannte Subsistenzwirtschaft, die häufig auf lokalen und wirtschaftlich vernachlässigten Sorten beruht, spielt nach wie vor eine entscheidende Rolle bei der Ernährung, ganz besonders in Krisensituationen. Sie findet nicht nur in sogenannten Entwicklungsländern, sondern überall auf der Welt statt. Weil sie der industriellen Lebensmittelproduktion und dem Welthandel im Wege steht, gilt sie als rückschrittlich. Dagegen entstehen auf unterschiedliche Art und Weise in allen Regionen der Welt Gärten der Zukunft, die wichtige Traditionen, Optionen und Wissenspotentiale erhalten. Diese ökologisch hocheffiziente Form der Selbstversorgung bei geringem Energie- und Chemieaufwand und hohem Arbeitseinsatz birgt ein enormes Innovationspotential.

Schließlich hat sich in der letzten Dekade eine starke Kritik an den Mechanismen und Folgen der Globalisierung des Handels und der Produktion entwickelt, die die Verhandlungen der Welthandelsorganisation WTO und der G8-Industriestaaten kritisch und konfrontativ begleitet. Hieraus entstand eine neue globale Bewegung auf der Suche nach einer fairen und nachhaltigen Weltordnung jenseits der transnationalen Markt- und Militärkontrolle. Praktische Alternativen, etwa die fair trade Bewegung, stehen für ein wachsendes Bedürfnis durch direktere und gerechtere Beziehungen zwischen Konsumenten und Produzenten der Globalisierung ein menschlichere Richtung zu geben.

"Food Sovereignity", Ernährungssouveränität, ist zu einem vielfältig schillernden, gemeinsamen Nenner für diese und weitere soziale Bewegungen auf der ganzen Welt geworden, bei denen Kleinbauern und ihre Organisationen eine tragende Rolle spielen.

Vielfalt und Komplexität

Gemeinsam ist diesen vielfältigen Ansätzen, dass sie bei der Bewältigung der gewaltigen Herausforderungen vor denen die Menschheit steht (Hunger, Armut, Umweltzerstörung, Klimawandel, zerstörerische Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion) auf das einzig bewährte Prinzip der Anpassung an sich verändernde Bedingungen setzen, das die Naturgeschichte uns an die Hand gibt: Die Vielfalt. Vielfalt bedingt Komplexität sowohl von Ökosystemen als auch von sozialen Beziehungen. Diese Komplexität immer besser zu begreifen und uns ihr mit der gebotenen Vorsorglichkeit und dem nötigen Respekt zu nähern, uns ihren Gegebenheiten anzupassen und sie zum Wohle der Allgemeinheit nutzbar zu machen, ist eine kulturelle, wirtschaftliche und wissenschaftliche Herausforderung, die sich nicht immer mit den scheinbar einfachsten und effektivsten Lösungen des Marktes verträgt. Es geht dabei um die Vielfalt

  • der Fauna und Flora derer wir uns in der Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft direkt und indirekt bedienen,
  • der kulturellen Traditionen des Umgangs mit Lebensmitteln und Landwirtschaft,
  • des Wissens und seiner Vermittlungsformen,
  • der Innovation und Entwicklung nachhaltiger Lösungen.

Die Vereinfachung der Herausforderungen durch ihre Reduktion auf jeweils wenige dominante Aspekte, etwa den maximalen Profit, den schnellstmöglichen Effekt, die maximale Ertragssteigerung oder die größtmögliche Verbreitung eines Produktes auf dem Weltmarkt, führt in aller Regel zur Maximierung der Folgeprobleme, die sich aus solchen scheinbaren Patentlösungen ergeben. Die Komplikationen, die sich unweigerlich aus großen, hierarchischen Systemen ergeben sind nicht zu verwechseln mit der Komplexität nicht hierarchischer Systeme, sondern in Wahrheit deren Gegenteil. Es geht um den Gegensatz zwischen über-komplizierten Kommando-Strukturen und komplexen Formen der Beteiligung und Selbstbestimmung. Formen zentralisierter Macht-Konzentration und ihrer letztlich zum Scheitern verurteilter totalitärer Kontrollsysteme stehen fehlerfreundliche, lokal und regional organisierte Netzwerke und ihre vielfältigen Formen demokratischer und kulturell aber auch ökologisch und ökonomisch angepaßter Rückkoppelung und Entwicklung gegenüber. Dies trifft auf viele wissenschaftliche Ansätze und Technologien ebenso zu wie auf politische und ökonomische Konzepte in der Land- und Lebensmittelwirtschaft, in der sogenannten Entwicklungshilfe und beim Umwelt- und Naturschutz. Modeerscheinungen wie die Gentechnik, der irrationale Glaube an die Segnungen der Agrar-Sprit und –Energiepoduktion, neoliberale Rezepte zur "Gesundung" von Volkswirtschaften und des Welthandels, Monokulturen zur kurzfristigen Optimierung der Erträge oder gigantische Wasserbau-Projekte und andere Infrastruktur-Megalomanien scheinen alle an der gleichen Krankheit übermäßiger Vereinfachung und Ignoranz gegenüber der realen Komplexität ökologischer, ökonomischer und kultureller Netzwerke und wechselseitigen Abhängigkeiten zu leiden.

Die Botschaft der Vielfalt

Das Bekenntnis zur Vielfalt und Komplexität lokaler und regionaler Netzwerke auf der einen und der Berücksichtigung globaler Zusammenhänge auf der anderen Seite, das vielbeschworene "global denken – lokal handeln", stellt sich quer zu transnationalen Konzernstrategien und geopolitischen, militärisch durchgesetzten Machtansprüchen einzelner Staaten. Die Perspektive der Vielfalt ist aber auch eine Revolution bei der Wahrnehmung der Probleme und Suche nach Lösungen in unseren eigenen Köpfen. Sie stellt die Frage nach dem menschlichen Maß und natürlichen Grenzen der Macht, nach dem Wert des einzelnen Individuums und jeder einzelnen Lebensform. So gesehen ist die Bewahrung der Vielfalt die beste Versicherung gegen menschliche Ignoranz und Arroganz und die beste Form, uns selbst und künftigen Generationen die größtmögliche Auswahl von Optionen zu sichern.

Projektbeschreibung

Ziele:
1) Das wichtigste Ziel von "Planet Diversity" ist es, die Zusammenarbeit von Initiativen, Bewegungen und Institutionen zu befördern, die sich für die Erhaltung biologischer, kultureller und wirtschaftlicher Vielfalt einsetzen. Ihre weltweite Vernetzung und Verständigung über gemeinsame Ziele und Strategien und die Formulierung eines gemeinsamen Selbstverständnisses soll gefördert werden. Besonders das Vorurteil, dass es sich dabei um einen nur verteidigenden, rückwärtsgewandten Ansatz handelt, soll überwunden werden. Tatsächlich arbeiten diese Initiativen an der Bewältigung einiger der größten ökologischen und sozialen Herausforderungen der Welt und bieten echte Innovationen und konstruktive Lösungen sowohl von der Verbraucher- als auch Produzentenseite. In der breiteren Öffentlichkeit werden diese gemeinsamen Ziele und Ansätze noch wenig wahrgenommen und viele der beteiligten Akteure sehen ihre Arbeit selbst noch nicht als Teil eines weltweiten neuen Ansatzes unter der gemeinsamen Überschrift von Vielfalt und neuer Ernährungssouveränität.

2) Der Kongress soll auch unmittelbar die Verhandlungen über internationale Haftungsregeln beim Einsatz gentechnisch veränderter Organismen auf der gleichzeitig stattfindenden Vertragsstaatenkonferenz des Protokolls zur Biologischen Sicherheit befördern. Es mag selbstverständlich erscheinen, daß Unternehmen, die diese Technologie einführen wollen, auch für deren mögliche Schäden zu haften haben. Der gegenwärtige Stand der Vorverhandlungen legt jedoch nahe, daß ein positives Ergebnis starker politischer Aufmerksamkeit und öffentlichen Drucks bedarf. Den versammelten Regierungsvertretern soll dabei auch die klare Botschaft vermittelt werden, daß gentechnisch veränderte Lebensmittel von einer Mehrheit der Bevölkerung (nicht allein in Europa) abgelehnt wird.

3) Den Kongress zu Beginn der Verhandlungen der Rio-Konvention zur Biologischen Vielfalt abzuhalten, verfolgt schließlich das Ziel, die öffentliche Erwartung und die Wahrnehmung des Themas in den Medien zu beeinflussen. Biologische Vielfalt ist nicht allein eine Frage des Naturschutzes und der Erhaltung von Lebensformen als Ressourcen zur künftigen wirtschaftlichen Nutzung (und Patentierung) durch Industrie und Wissenschaft. Die natürliche und kultivierte biologische Vielfalt ist ein weltweites Gemeingut und der Ausdruck kultureller Vielfalt, Tradition und Würde. Es geht bei ihrem Erhalt um globale Menschenrechte, lokale und regionale Selbstbestimmung, insbesondere in Bezug auf eine ausreichende, gesunde und nachhaltige Ernährung. Unterschiedliche Traditionen des Lebens mit biologischer Vielfalt, der Reichtum an Erfahrung und Wissen im Umgang mit ihr werden akut bedroht von einem vereinheitlichenden und technokratischen industriellen Ansatz. Der Gastgeber der letzten Rio-Konvention, die Stadt Curitiba brachte es auf den Punkt: "Vielfalt lebt in den Menschen."

Teilnehmer/innen

Zu dem Kongress werden sich rund 500 Delegierte aus aller Welt einfinden, die sich mit einer auf Vielfalt basierenden Landwirtschaft und Ernährung befassen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf lokalen Aktivisten, Initiativen und Bauern sowie Vertretern und Vertreterinnen von Gemeinden und regionalen Regierungen und Institutionen besonders aus den Ländern des Südens. Hinzu kommen Wissenschaftler, Experten und Vertreter überregionaler Nichtregierungsorganisationen. Das Eröffnungs-Festival am Pfingstmontag richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger der näheren und weiteren Umgebung und wird von Bauern, Gärtnern, Köchinnen, Saatgut-Initiativen und anderen Profis und Amateuren auf dem Gebiet der lebendigen biologischen Vielfalt aus Deutschland und Europa bestritten.

Redner/innen

Die Liste der ReferentInnen ist international besetzt: Prominente wie die alternativen Nobelpreisträger Vandana Shiva und Percy Schmeiser, Landwirte und VertreterInnen lokaler Initiativen sowie wegweisende Wissenschaftler und Aktivisten auf dem Gebiet der biologischen Vielfalt, die über ein weltweites Renommee verfügen.

Lokales Organisations-Komitee und internationaler Beirat

Ein lokales Organisationskomitee von Gastgeberorganisationen aus Deutschland mit internationalen Verbindungen bereitet den Kongress vor. Als rechtlicher Träger hat sich die Zukunftsstiftung Landwirtschaft zur Verfügung gestellt, in deren Berliner Büro auch das Sekretariat angesiedelt ist. Darüber hinaus existiert ein weltweites Berater-Komitee, dessen Aufgabe es ist, sicherzustellen, daß die Auswahl der Themen und Teilnehmer die globalen Realitäten widerspiegelt.

Daten

12. Mai 2008:
Demonstration

Internationale Kundgebung zum Auftakt der Biosicherheits-Verhandlungen der UN Treffpunkt: 10:00 Uhr, Kleine Blumenwiese auf den Rheinauen
Festival der Vielfalt
Internationale Pavillons und Geschichten, Musik, Theater, Vorträge, Filme, Aktionen, Kinderprogramm, Tanz und regionale Spezialitäten aus aller Welt von 14:00 bis 22:00 Uhr in den Rheinauen

13. bis 15. Mai 2008:
Internationaler Kongress zur Zukunft von Lebensmitteln und Landwirtschaft Plenarsitzungen, Informationsmärkte und über 30 Workshops im Gustav-Stresemann-Institut zu den Themen Ernährungssouveränität und Zugang zu gesundem Essen, zu Saatgut, Wasser und Land; Faire Beziehungen zu Konsumenten; Gentechnikfreie Regionen; Patente auf Lebewesen und ihre Gene; Agrar-Sprit; Indigenes Wissen. Mit Landwirten und VertreterInnen lokaler Initiativen sowie wegweisenden DenkerInnen und AktivistInnen auf dem Gebiet der biologischen und kulturellen Vielfalt.

16. Mai 2008:
Öffentliche Präsentation der Ergebnisse des Kongresses, Exkursionen und Folgetreffen

Medien und Information:

Mone Volke
Tel: 0049 30 28 48 23 25
presse@planet-diversity.org
www.planet-diversity.org

 

 

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