Planet Diversity World Congress on the Future of Food and Agriculture

Siehe auch Speaker List und  Stories von Teilnehmerinnen und Teilnehmern

 

 Ableman, Micheal, Kanada

 Abouleish, Ibhrahim, Ägypten

 Altieri Miguel, USA

 Argumedo, Alejandro, Peru

 Catacora, Georgina, Bolivien

 Cenni, Susanna, Italien

 Graefe zu Baringdorf, Friedrich-Wilhelm, Germany

 Graf, Maya, Schweiz

 Herren, Hans, USA

 Holt-Gimenez, Eric, USA

 Koechlin, Florianne, Schweiz

 Lammerts van Bueren Edith, Niederlande

 Manzur, Maria Isabel, Chile

 Müller, Werner, Österreich

 Ryoko, Shimizu, Japan

 Schmeiser, Percy, Kanada

 Shiva, Vandana, Indien

 Stebenkova, Liudmila, Russland

 Suwanbubbha, Parichart, Thailand

 Von Uexküll, Jakob, Deutschland

Michael Ableman, Kanada

Michael Ableman ist Landwirt, Autor und Fotograf. Mit seinen Arbeiten will er die Öffentlichkeit darüber aufklären, wie industrialisierte Landwirtschaft sowohl das Land und die Umwelt als auch die Landwirte ausblutet und Alternativen zu dieser Form der Landwirtschaft aufzeigen. Eine Reise nach China 1984, auf der er die Überbleibsel der traditionellen chinesischen Anbauverfahren besichtigte, inspirierte ihn zu seinem ersten Buch „From the good earth“, in dem er als erster die durch die Insutrialisierung bedingten, dramatischen Änderungen in der Landwirtschaft weltweit mit Fotos und Berichten dokumentierte. In seinem aktuellen Buch „Fields of Plenty“ stellt Ableman us-amerikanische Landwirte vor, die im respektvollen Umgang mit ihrer Umwelt und in traditionellen Verfahren besonders schmackhafte und gute Lebensmittel produzieren.

Ableman´s berufliches Engagement begann mit verschiedenen Kleingarten-Projekten z.B. am Santa Barbara AIDS Hospiz oder im Jordan Downs Wohnprojekt in Watts. 1981 gründete er auf einer der ältesten ökologisch bewirtschafteten Farmen Süd-Kaliforniens die Organisation „Center for Urban Agriculture at Fairview Gardens“, ein Informations- und Ausbildungszentrum für kleinbäuerliche und urbane Landwirtschaft. Seine Tätigkeit als Ausbilder und Berater hat Dutzende Garten- und Landwirtschaftsprojekte in Nord-Amerika und der Karibik initiiert. 

Für seinen Einsatz für die nachhaltige Landwirtschaft wurde M. Ableman mit verschiedenen Preisen geehrte z. B. mit dem Sustie Award (2001) und dem Environmental Leadership Award des kalifornischen Gouverneurs (1997). Heute betreibt er mit seiner Familie eine Farm in British Columbia.

Ibrahim Abouleish, Ägypten

SEKEM

Ich komme aus Ägypten und bin Vorsitzender der Sekem Initiative. Unsere gesamte Arbeit bei Sekem konzentriert sich darauf, durch biodynamische Landwirtschaft die Vielfalt zu stärken. Die größte Herausforderung meiner Arbeit besteht darin, in Ägypten die Einführung gentechnisch veränderter Organismen zu verhindern. Mit meiner Teilnahme bei „Planet Diversity“ verbinde ich die Hoffnung auf starke öffentliche Unterstützung für GVO-freie Nahrungsmittelproduktion und Gebiete, besonders in Entwicklungsländern. Die europäischen Länder spielen eine entscheidende Rolle in der Gestaltung der Zukunft der ökologischen Landwirtschaft. Ich wurde eingeladen, um einen Vortrag über Sekem zu halten.

Miguel A. Altieri, USA

Biologisch vielfältige Bauernhöfe in Lateinamerika: Ein wichtiges ökologisches Gut

Miguel A. Altieri erhielt seinen Bachelor of Science in Agrarwissenschaften von der Universität von Chile und seinen Doktor in Insektenkunde von der Universität von Florida. Seit 1981 ist er Professor für Agrarökologie an der Universität von Kalifornien in Berkeley, Abteilung für Umweltwissenschaft, - politik und –management.

Dr. Altieri war wissenschaftlicher Beirat für die lateinamerikanische Arbeitsgemeinschaft Agrarökologie und Entwicklung (CLADES), eine NRO zur Förderung der Agrarökologie als nachhaltige regionale Entwicklungsstrategie für Kleinbauern. Vier Jahre lang arbeitet er als Hauptkoordinator für die vereinten Nationen (United Nations Development Programmes, Sustainable Agriculture Networking and Extension) mit dem Ziel der Kapazitätenbildung in der Agrarökologie für NROs und der Vergrößerung von erfolgreichen, regionalen und nachhaltigen landwirtschaftlichen Projekten in Afrika, Lateinamerika und Asien. Außerdem war er Vorsitzender des NRO Komitees der Consultative Group on International Agriculture Research, die überprüft, dass die Forschungsplanung des 15. Internationalen Agricultural Research Centers die Belange von armen Landwirten berücksichtigt. Zurzeit arbeitet er als Berater für das FAO-GIAHS Program (Globally Ingenious Agricultural Heritage Systems), das traditionelle Anbaumethoden in Entwicklungsländern identifiziert und unterstützt. Außerdem ist er ein Direktor der US-Brasilianischen Arbeitsgruppe Agrarökologie und nachhaltige ländliche Entwicklung (CASRD), einem akademischen Austauschprogramm für Studenten und Forscher der Universität von Kalifornien in Berkeley, Der Universität von Nebraska, UNICAMP und Universidad Federal de Santa Catarina. Er ist Präsident der wissenschaftlichen Agrarökologiegesellschaft von Latein Amerika (SOCLA), Autor von über 200 wissenschaftlichen Arbeiten und zahlreichen Büchern, u.a. „Agroecology: The Science of Sustainable Agriculture“, „Biodiversity, Pest Management in Agroecosystems“ und „Agroecology and the Search for a Truly Sustainable Agriculture“.

Mehr Informationen hier: www.agroeco.org

Alejandro Argumendo, Cusco, Peru

Quechua-Aymara Association of Sustainable Livelihoods (ANDES)

Alejandro Argumendo ist Agrarökonom. Er ist in verschiedenen indigenen Organisationen tätig, um die Rechte der Ureinwohner bei internationalen Organisationen wie der UN, der FAO oder der WTO und in verschiedenen internationalen Abkommen wie der Convention on Biological Diversity (CBD) zu vertreten. Er engagiert sich in der internationalen Debatte über Rechte an geistigem Eigentum, Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechten Vorteilsausgleich durch die Nutzung von genetischen Ressourcen. Er ist Direktor der Quechua-Aymara Association for Sustainable Livelihoods (ANDES). Dort werden Maßnahmen für Schutz und Erhalt von genetischen Ressourcen und dem damit verbundenen indigenen Wissen entwickelt.

Auf Betreiben von ANDES wurde 2005 eine Vereinbarung zum Schutz der peruanischen Kartoffel-Vielfalt getroffen, die es in dieser Form weltweit vorher nicht gab. Das International Potato Centre (CIP) in Lima, in dessen Genbank die Samen von tausenden peruanischen Kartoffelsorten gelagert sind, und die indigenen Kommunen in den Anden vereinbarten, dass die Kartoffelbauern Zugriff auf alle genetischen Ressourcen der Genbank erhalten, die Sorten vermehren, anbauen und zur weiteren Züchtung verwenden dürfen. Die Absprache führt dazu, dass genetische Ressourcen und traditionelles Wissen bei der lokalen Bevölkerung verbleiben, und dass genetische Material nicht zum geistigen Eigentum einzelner wird. A. Argumendo hofft, dass diese Vereinbarung weltweit viele Nachahmer findet.

Argumendo ist darüber hinaus Gründungsmitglied und Vizepräsident des Call of Earth Steering Committees, einer Organisation, die Indigene unterstützt, an den Diskussionen und Verhandlungen über Rechte an geistigem Eigentum und traditionellem Wissen teilzunehmen, Mitglied der World Commission on Protected Areas (IUCN) und Koordinator des Indigenous People´s Biodiversity Network (IPBN).

Alejandro Argumedo referiert bei dem Kongress Planet Diversity über das Kartoffelnetzwerk in den Anden.

Georgina M. Catacora, Bolivien

Tierra Viva

Ich komme aus Cochabamba, einem Tal in Bolivien und arbeite an zwei Themenbereichen: Zum einen, ökologische Landwirtschaft, besonders die Entwicklung lokaler Biomärkte und Mitbestimmungssysteme für ökologische Produkte. Zum anderen, Biosicherheit und industrielle Landwirtschaft, insbesondere Forschung, Informationsaustausch und Öffentlichkeitsarbeit zu den sozioökonomischen und ökologischen Auswirkungen von GVOs und Produktionsmodellen der Agrarindustrie. Mit meiner Arbeit im Bereich Biosicherheit und Agrarindustrie will ich auf Produktionssysteme aufmerksam machen, die die biologische und die kulturelle Vielfalt durch Homogenisierung von Pflanzenvielfalt, Nahrungsmitteln, Ernährungsgewohnheiten und Produktionstechnologien bedrohen. Der auf ökologischen und sozioökonomischen Prinzipien basierende Öko-Landbau fördert und verteidigt alle Arten von Vielfalt, da dies die Grundlage des biologischen und sozialethischen Gleichgewichts ist. Die größte Herausforderung für mich ist es, zu zeigen, zu demonstrieren, zu teilen, zu verstehen, daß es für viele unserer derzeitigen Umwelt- und Gesundheitsprobleme keine technologische oder ökonomische Lösungen gibt. Vielmehr kommt es darauf an, Verhaltensweisen, Angewohnheiten und Beziehungen zwischen Menschen und zwischen Mensch und Natur zu ändern. „Planet Diversity“ bietet die Gelegenheit zum Austausch und die Möglichkeit, Ideen, Initiativen und Engagement zur „Vielfalt“ und deren Erhaltung und Wohlergehen zu verbinden. Wir werden unterschiedliche Meinungen hören, Dialoge führen mit unterschiedlichen Kulturen und Experten und konkrete Erfahrungen teilen, die das Bewußtsein stärken und Hoffnung stiften werden. Wir werden aus diesem Austausch lernen und zu Hause gestärkt für die Verteidigung der Vielfalt weiterarbeiten.

Susanna Cenni, Italien

Landwirtschaftsministerium Toskana Florenz, Italien

Susanna Cenni ist Landwirtschaftsministerin der Toskana, Koordinatorin der gentechnikfreien Regionen Europas und Mitglied der Versammlung der Regionen Europas.

Sie verfolgt eine Politik, die die Ausrichtung der Landwirtschaft auf die Qualitätsproduktion unterstützt. Gute Lebensmittel gehören zum Lebensgefühl der Toskana. Eine nachhaltige Agrarproduktion schont Umwelt und Biodiversität und erhält damit zwei wichtige Attribute, die die Toskana als Reiseland auszeichnen. Viele toskanische Erzeuger können zudem nur dann auf dem internationalen Lebensmittelmarkt konkurrenzfähig sein, wenn sie sich über eine hohe Qualität von der billigen Massenware absetzen und damit auch höhere Preise realisieren können. Die grüne Gentechnik gefährdet nicht nur die Produktion von Qualitäts-Lebensmitteln sondern auch Umwelt und Vielfalt in der Toskana. Darum bekämpft sie die Ausbreitung der Gentechnik in Europa entschieden. Sie hofft, dass sie mit ihrem Kampf um Inhalte und Arbeitsweisen auch die EU-Entscheidungen hinsichtlich Gentechnik und Landwirtschaft in die richtige Richtung beeinflussen kann.

Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Deutschland

Bündnis 90/Die Grünen-Spenge

Der Landwirtschaftsmeister und promovierte Pädagoge Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf ist seit 1984 für Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament. Ab 1989 war er stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, von 1999 bis 2002 war er Vorsitzender und seit 2002 ist er Vize-Vorsitzender. 1980 war er zudem Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL eV), deren Vorsitzender er seit 1996 ist. Zudem betreibt er in Ostwestfalen einen 50-ha Gemischtbetrieb in ökologischer Wirtschaftsweise mit Direktvermarktung.

Zu Baringdorfs politische Entwicklung ist eng mit seiner Biographie verwoben, denn seinen grundsätzlichen Auffassungen beruhen oft auf eigenen Erfahrungen. So konnte er den elterlichen Betrieb angesichts des zunehmenden Rationalisierungsdrucks nur durch die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft und Direktvermarktung retten. Die Bewirtschaftung seinen Betriebs sieht er als wesentlichen Bestandteil seiner politischen Arbeit. Er setzt sich für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft, den Ausbau des Ökolandbau und fairen Handel weltweit ein. Außerdem macht er sich für das Recht der Landwirte, auch in Zukunft gentechnikfrei wirtschaften zu können, stark. Er gehört zu den vehementen Kritikern der europäischen Biosprit-Strategie und fordert den absoluten Vorrang der Ernährungssicherung weltweit vor der Sicherung der Energieversorgung.

Maya Graf, Schweiz

Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie SAG

Ich kämpfe auf drei Ebenen gegen Gentechnik in der Landwirtschaft und für biologische Vielfalt: Ganz direkt und praktisch auf unserem ökologischen Bauernhof in der Nähe von Basel in der Schweiz; als Nationalrätin der Grünen im Schweizer Parlament und seit sieben Jahren als Präsidentin der „Schweizerischen Arbeitsgruppe Gentechnologie SAG“, einem Dachverband aller großen Schweizer Landwirtschafts-, Umwelt- und Verbraucherorganisationen, die gegen Gentechnik in der Landwirtschaft aktiv sind.

Im Land von Syngenta & Co. ist dies ein harter Kampf, aber im Jahre 2005 konnten wir eine Volksabstimmung gewinnen, als die Mehrheit der Schweizer für ein fünfjähriges Verbot der kommerziellen Produktion gentechnisch veränderter pflanzlicher Lebensmittel stimmte. Das ist ein starkes Signal an andere Länder: Wenn die Menschen das Sagen haben, dann sagen sie nein! Ich bin fest davon überzeugt, daß wir nur mit einer GVO-freien und nachhaltigen Landwirtschaft verhindern können, daß fruchtbares Land in die Hände der globalen Agrarindustrie fällt. Das Land gehört den Landwirten, nicht der Industrie, genau wie in diesem unsterblichen Lied… this land is our land.

Mit meiner Teilnahme bei „Planet Diversity“ möchte ich alle ermutigen, sich für Volksabstimmungen in dieser höchst kontroversen Angelegenheit einzusetzen.

Hans Rudolf Herren, USA

Millenium Foundation

„Mein Leben und meine Arbeit sind geprägt von der Überzeugung, dass alle Menschen das Recht auf genügend Nahrung und eine gesunde Umwelt haben.“

Hans Rudolf Herren gehört weltweit zu den führenden Wissenschaftlern in Sachen biologische Schädlingsbekämpfung. In den 80er Jahren bekämpfte Herren in Afrika erfolgreich eine verheerende Schädlingsepidemie beim Grundnahrungsmittel Maniok, in dem er natürliche Feinde zur Bekämpfung der Parasiten einsetzte. Damit rettete er Millionen Menschen vor einer Hungerkatastrophe. 1995 wurde er hierfür mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld gründete er die Organisation BioVision, die die Methoden der nachhaltigen Landwirtschaft und biologischen Schädlingsbekämpfung in Afrika fördert.

Von 1994 bis 2005 leitete Herren das internationale Institut für Insektenforschung ICIPE in Nairobi. Das Institut spielt eine zentrale Rolle in der ökologischen Bekämpfung von Schädlingen, Parasiten und Krankheiten in Drittweltländern. Herren erforschte dort biologischen Lösungen für weitere Schädlingsprobleme, insbesondere die Push-pull-Methode gegen Maisschädlinge.

Seit 2005 ist er Präsident der Millenium Foundation. Außerdem ist er Vizepräsident des Weltagrarrats (IAASTD), der in seinem gerade verabschiedeten ersten Agrarbericht allein im weltweiten Ausbau einer nachhaltigen und bäuerlichen Landwirtschaft, die auf traditionelle Anbaumethoden und regionales Saatgut zurückgreift, eine dauerhafte Lösung des Welternährungsproblems sieht. Herren bekräftigt diese Position: Die Landwirtschaft muss menschlicher und nachhaltiger werden und wir haben gute Beispiele, die zeigen, dass angepasste Technologien und angewandte Forschung zu Lösungen führen, die den Kleinbauern und der Umwelt helfen.

Neben dem Welternährungspreis erhielt Herren 2002 für seine Bemühungen um die Verbesserungen der Ernährungs- und Lebensgrundlagen den Brandenberger Award und 2003 den Tyler Prize for Environmental Achievement.

Eric Holt-Giménez, Oakland, USA

Food First – Institute for Food and Development Policy

Eric Holt-Giménez ist seit 2006 geschäftsführender Direktor der Initiative “Food First”. Das Institut hat zur Aufgabe, Maßnahmen aufzuzeigen, wie Ungerechtigkeiten, die Hunger und Umweltzerstörung verursachen, beendet werden können. In seinem letzten Buch “Campesino a Campesino” beschreibt er die Bildungsarbeit für eine nachhaltige Landwirtschaft innerhalb der lateinamerikanischen Bauernbewegung der letzten 30 Jahre.

Davor arbeitete Eric Holt-Giménez als Lateinamerika-Programm-Manager beim Bank Information Center in Washington, D.C. Dort war er für das Monitoring von Projekten sowie der Geschäftspolitik von Weltbank und interamerikanischer Entwicklungsbank zuständig. Darüber hinaus hielt er im Rahmen von Ökologie-Programmen Kurse über Agrarökologie und internationale Entwicklung an den Universitäten in California und Boston. Von den 70er bis in die 90er-Jahre lebte und arbeitete Eric Holt-Giménez in Lateinamerika für verschiedene NGOs, Regierungsstellen und Entwicklungshilfeorganisationen. E. Holt-Giménez ist Master of Science in International Agricultural Development und Ph.D. in Umweltwissenschaften.

Hohe Anerkennung erhält E. Holt-Goménez für seine Kritik an der ungehemmten Ausdehnung der Biokraftstoff-Produktion. Er vertritt die These, dass die Umstellung auf Biokraftstoffe lediglich dazu beiträgt, die derzeit geltende Öl-Ökonomie zu verlängern und den Kraftstoff- und Agrarkonzernen auf Kosten von Umwelt und Bevölkerung ordentliche Gewinne zu bescheren. Er spricht Biokraftstoffen aufgrund der mit ihrem Anbau verbundenen Regenwaldabholzungen die Klimafreundlichkeit ab und macht die zunehmende Nachfrage nach Biokraftstoffen für die steigenden Lebensmittelpreise sowie die Verschärfung der Hungerproblematik verantwortlich.

Florianne Koechlin, Schweiz

Blauen-Institut

Florianne Koechlin studierte Biologie und Chemie; sie wurde bekannt als Gentechnik-Kritikerin und Autorin verschiedener Bücher und zahlreicher Artikel. Sie ist Geschäftsführerin des Blauen-Instituts (www.blauen-institut.ch) und beschäftigt sich seit Jahren mit praktikablen Alternativen und Erweiterungen zum bestehenden allzu einseitigen Wissenschaftsverständnis. Sie ist Stiftungsrätin der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und der Swissaid sowie Mitglied der Eidgenössischen Ethikkommission für Biotechnologie im Ausserhumanbereich, EKAH.

Bücher von Florianne Koechlin: "Zellgeflüster. Streifzüge durch wissenschaftliches Neuland." (Lenos Verlag, 2005), "Schön, gesund und ewiger leben" (Rotpunktverlag 1994), "Mythos Gen"(zusammen mit Daniel Ammann, Utzinger/Stemmle Verlag, 1997), "Das patentierte Leben" (Hg, Rotpunktverlag 1998), Zukunftsmodell Schweiz. Eine Landwirtschaft ohne Gentechnik? (Hg., 1999)

Edith Lammerts van Bueren, Niederlande

Universität und Forschungszentrum Wageningen

Seit 2005 hat Edith Lammerts van Bueren die weltweit einzige Professur für ökologische Pflanzenzüchtung an der Universität Wageningen in den Niederlande inne. Darüber hinaus ist sie Präsidentin und Mitbegründerin des Europäischen Konsortiums für Ökologische Pflanzenzüchtung ECO-PB. Vor ihrer Berufung forschte Lammerts van Bueren am Louis Bolk Institut und initiierte viele Aktivitäten auf dem Gebiet der Öko-Pflanzenzüchtung und Öko-Saatgutproduktion.

Mit ihrer Forschungsarbeit verfolgt Lammerts van Bueren das Anliegen, die züchterischen Ansätze und Strategien des Öko-Landbaus verstärkt wissenschaftlich zu untermauern. Zudem will sie vermehrt klassische Züchtungsunternehmen für die Züchtung von an den ökologischen Landbau angepassten Sorten gewinnen. Außerdem setzt sie sich mit der Frage auseinander, welche Züchtungsmethoden im ökologischen Landbau, der bislang zwar gentechnische Methoden ausschließt, andere biotechnologische Verfahren aber akzeptiert, ethisch vertretbar sind und wie eine Züchtung, die ausschließlich auf diese Methoden zurückgreift, etabliert werden ka

Maria Isabel Manzur, Santiago de Chile

Fundación Sociedades Sustentables

Maria Isabel Manzur aus Santiago de Chile arbeitet bei der Fundación Sociedades

Sustentables (Stiftung nachhaltige Gesellschaften). Seit 1999 koordiniert die Biologin und Zoologin das 1999 geschaffene Netzwerk für ein gentechnikfreies Chile. Sie konzentriert sich insbesondere auf die Erhaltung und Nutzung von biologischer Vielfalt, auf Zugangsrechte zu genetischen Ressourcen und den Schutz traditioneller Kenntnisse und befasst sich in diesem Zusammenhang intensiv mit Biotechnologie- und Biosicherheitsfragen. Im Norden von Chile arbeitet sie außerdem mit indigenen Aymara Gemeinden für die Erhaltung von Saatgut alter Sorten. Chile ist eins der größten Anbauländer für Saatgut, das für den Europäischen Markt bestimmt ist.

"Für uns ist deshalb beispielsweise die Kampagne gegen gentechnische Produkte in Europa wichtig. Denn die verhindert gewissermaßen eine noch stärkere Expansion der Transgene auch in unseren Ländern. Deshalb möchten wir Sie ermuntern, damit weiterzumachen." (Zitat aus der Wochenzeitung »Freita

Werner Müller, Österreich

Eco-risk

Ich komme aus Österreich und arbeite in der Risikoforschung und der Erforschung von Lücken und Mängeln in der Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen. Synthetische Gene sind künstliche Gene, die in keinem Lebewesen auf dem Planeten vorkommen. Manche GVOs können ihre synthetischen Gene auf wildlebende Arten übertragen. Die ökologischen Auswirkungen sind noch nicht bekannt, aber sie werden lange andauern, d.h. über eine evolutionäre Zeitspanne hinweg. Die größte Herausforderung für mich ist, den Anbau von GVOs weltweit zu stoppen, da GVOs einen langanhaltenden Einfluß auf die Pflanzenvielfalt haben. Ich werde an einem Workshop über die Auswirkungen von GVOs auf die menschliche Gesundheit teilnehmen.

Ryoko Shimizu, Japan

Seikatsu Club Consumers’ Co-operative

Ich stamme aus Fukuoka auf Kyushu, der südlichsten Insel Japans, ich lebe in Kanagawa und arbeite in Tokio. Ich bin Mitarbeiter der Verbraucherorganisation Seikatsu Club Consumers’ Co-operative, die sich für eine direkte Verbindung zwischen Landwirten und Verbrauchern einsetzt. Meine Arbeit richtet sich hauptsächlich gegen gentechnisch veränderte Organismen (GVOs), denn ich bin überzeugt, daß GVOs nicht für Menschen oder Landwirte, sondern nur für die multinationalen Unternehmen entwickelt wurden.

Durch die Einführung von GVOs verlieren wir immer rascher unsere landwirtschaftliche Vielfalt. Wir sollten unsere landwirtschaftliche und kulturelle Vielfalt erhalten und feiern, trotz der Bedrohung durch die Kontrolle von Großunternehmen.

Der Informationsaustausch ist sehr schwierig. Die Menschen achten kaum auf GVOs, denn die Kennzeichnung ist nicht ausreichend. Es sieht ganz so aus, als wollten Regierung und Unternehmen die Wahrheit über GVOs verschweigen. Wissenschaftler, die sich negativ zu GVOs äußern, werden oft schikaniert.

Ich hoffe durch meiner Teilnahme bei „Planet Diversity“ mehr Menschen auf der Welt darüber zu informieren, daß in Japan gentechnisch veränderter Canola Raps wild wächst, obwohl kein japanischer Landwirt diesen Raps anbaut. Die nächste UN Konvention zur biologischen Vielfalt wird 2010 in Nagoya in Japan stattfinden und ich hoffe, mit neuen Erfahrungen für die Organisation von Veranstaltungen für NROs in Nagoya zurückzukommen.

Percy Schmeiser, Kanada

Percy Schmeiser und seine Frau Louise haben den Widerstand gegen die Einschüchterungs-Methoden des Saatgutmultis Monsanto aufgenommen und sind damit zum weltweiten Symbol für den Kampf gegen gentechnisch verändertes Saatgut geworden.

Auf seiner 600 ha großen Farm in der kanadischen Provinz Saskatchewan spezialisierte sich Schmeiser vor rund 40 Jahren auf Anbau und Zucht von Raps. Seine Nachbarn bauten zunehmend den gentechnisch veränderten Roundup-Ready Raps von Monsanto an. 1997 und 1998 beprobte Monsanto die Felder von Schmeiser und wies dort gentechnisch veränderten Raps nach, der durch Kontaminationen aus der Umgebung auf Schmeiser´s Feld gelangt war. Daraufhin verklagte Monsanto Schmeiser wegen illegalem Anbau von Monsanto-Raps. Gleichzeitig boten sie ihm an, die Klage zurückzuziehen, wenn er zukünftig gentechnisch verändertes Saatgut von Monsanto kaufen und auf alle Schadensersatzansprüche an das Unternehmen verzichten würde. Schmeiser ließ sich auf diesen unsittlichen Deal nicht ein. Schließlich war seine jahrzehntelange Zuchtarbeit durch die Kontaminationen mit Monsantos Genraps zunichte gemacht worden. Es folgte eine jahrelanger Rechtsstreit, den Schmeiser 2004 in höchstrichterlicher Instanz verlor. Er musste zwar weder Lizenzgebühren noch Schadensersatz zahlen, da er nicht von den besonderen Eigenschaften des Roundup-resistenten Raps profitiert hatte. Das Gericht hielt aber daran fest, dass Schmeiser nicht das Recht habe, die patentierte Sorte wissentlich anzubauen, nur weil diese zufällig auf seinem Land aufgetaucht sei. Er musste die Kosten des Rechtsstreit von 250.000 Euro tragen.

Im März 2008 konnte Schmeiser dann doch noch einen Erfolg über Monsanto verbuchen: in einer außergerichtlichen Einigung räumte Monsanto ihre Verantwortung für die gentechnischen Kontaminationen auf Schmeiser´s Feldern ein.

Im Laufe der gerichtlichen Auseinandersetzung wurden Schmeiser und seine Frau zu Gallionsfiguren des Kampfes für strenge Regulierungen und Haftungspflichten für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Sie entschlossen sich, sich den Rest ihrer Leben für das Recht der Bauern auf eigenes Saatgut und eigene Zuchtarbeit einzusetzen.
Für ihr Engagement erhielten sie im Jahr 2000 den Mahatma Gandhi Award und 2007 den alternativen Nobelpreis.

Vandana Shiva, Indien

Navdanya Seed Movement

Die Umweltschützerin, Bürgerrechtlerin und Feministin Vandana Shiva gilt als eine der wichtigsten globalen Aktivisten für Biodiversität und ökologische Landwirtschaft. Als Globalisierungskritikerin spielt sie im Kampf gegen Gentechnik eine zentrale Rolle.

Statt ihrem Physik-Studium in Kanada eine wissenschaftliche Karriere in den USA folgen zu lassen,  kehrte Shiva auf den bäuerlichen Betrieb ihrer Eltern in Indien zurück, wo sie ihr Institut „The Research Foundation for Science Technology and Ecology“ gründet. Ende der 70er unterstützt sie die heimische Bevölkerung erfolgreich beim Kampf gegen die Abholzung großer Waldgebiete und engagiert sich in der ersten indischen Umweltvereinigung, der Chipko-Bewegung. Shiva setzt ihr Fachwissen vor allem dazu ein, um die mit internationalen Wirtschaftsorganisationen und staatlichen Stellen wenig vertrauten Einheimischen vor einer Übervorteilung zu schützen. In dieser Zeit entwickelte sie auch ihre öko-feministischen Ansätze, mit denen sie die weibliche Perspektive in die Öko-Diskussion einbringt.

Der Schutz der Biodiversität und der Kampf gegen die Biopiraterie großer Konzerne, die durch ihr Vorhaben Saatgut-Gene zu patentieren, die Existenz der Bauernfamilien in Indien bedrohen, wird zentraler Bestandteil ihres Engagements. Als Gründerin zahlreicher Institute und Netzwerke setzt sie weltweit einen Paradigmenwechsel zur Nachhaltigkeit, Diversität und fairem Handel in Gang. Der zentralisierten Macht der Konzerne setzt sie dezentrale Strukturen auf der Basis friedlicher Koexistenz entgegen und baut auf die Werte des Mitgefühls, der gegenseitigen Hilfe und des Teilens. Ihre Unabhängigkeit und Professionalität ebnen ihr die Arbeit als Beraterin sowohl für die indische als auch für ausländische Regierungen, für NGOs und internationale Organisationen wie die Welternährungsorganisation (FAO).

Shiva ist Vorsitzende des „International Forum on Globalization“ sowie Mitglied im Club of Rome und im Weltzukunftsrat. 1993 erhielt Shiva den alternativen Nobelpreis, weil sie „Frauen und Ökologie im Zentrum des modernen Diskurses um Entwicklungspolitik platzierte“. Weitere Auszeichnungen sind der Global 500 Award des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, der „Hero for the Green Century“ des Time-Magazins und der Blue-Planet-Award 2007 der Berliner Stiftung ethecon.

Lyudmilla Stebenkova, Russland

Gesundheitskommission Moskauer Duma

Die Kinderärztin Lyudmilla Stebenkova startete ihre politische Karriere in den 90ern und ist Abgeordnete der Moskauer Stadt-Duma in der vierten Legislaturperiode.

Als Vorsitzende der Kommission für Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsschutz der Moskauer Duma initiierte sie die politische Diskussion um gentechnisch veränderte Lebensmittel und notwendige Schritte der Regierung in Konferenzen, Anhörungen sowie in der Gesundheitskommission selbst. Das Ergebnis des Diskussionsprozesses war die Verabschiedung eines Zusatzartikels für die Moskauer Verordnung zur Lebensmittelsicherheit, der es städtischen Stellen verbietet, gentechnisch veränderte Produkte zu kaufen. Stebenkova sieht in dieser Vereinbarung einen ersten Schritt hin zu einer gentechnikfreien Region Moskau. Darüber hinaus hat die Moskauer Stadtregierung Geld für die Einrichtung von 16 unabhängigen Instituten freigegeben, an denen die Moskauer Bürger Produkte auf gentechnische Bestandteile und Verunreinigungen untersuchen können.

Ein zweiter Schritt war die Schaffung eines “Gentechnik-frei”-Labels, mit dem Unternehmen seit Juli 2007 ihre Produkte auf freiwilliger Basis 2007 kennzeichnen können.

Inzwischen arbeitet Stebenkova daran, andere Regionen Russlands davon zu überzeugen, sich den Moskauer Initiativen anzuschließen. Außerdem unterstützt sie die Gründungen von gentechnikfreien Regionen in Russland.

Parichart Suwanbubbha, Thailand

Mahidol University

Ich komme aus Bangkok und arbeite für die Verbesserung der menschlichen Würde und dem Wohlergehen des Universums. Seit 20 Jahren unterrichte ich Buddhismus, Christentum und Dialogfähigkeit. Seit drei Jahren leite ich Dialoge mit den Menschen im Süden von Thailand, die täglich mit Gewalt in unterschiedlichen Konflikten wie etwa um kommunale Wälder und Abfallentsorgung konfrontiert sind.

Der Bezug meiner Arbeit zur biologischen Vielfalt liegt darin, daß die Menschen vielfältige Identitäten haben. Ich versuche, die Idee der Verbundenheit untereinander zu realisieren, zwischen der Menschheit und dem Universum mit Pflanzen und Tieren, zwischen Menschen mit verschiedenem Glauben und unterschiedlichen Kulturen.

Die größte Herausforderung meiner Arbeit ist die Selbstbefähigung zum friedlichen Miteinander zwischen unterschiedlichen Menschen und zwischen der Menschheit und dem Universum. Im nehme an „Planet Diversity“ teil, weil ich das Anerkennen von Vielfalt, Unterschied und Verbundenheit der Menschen untereinander und mit dem Universum, insbesondere mit Pflanzen und Tieren bewundere.

Ich möchte mehr über eine angemessene Verständigung und Beziehung der Menschen untereinander und mit ihrer natürlichen Umgebung lernen, um das harmonisches Zusammenleben aller zu verbessern.

Jakob von Uexküll, Deutschland

World Future Council

Der deutsch-schwedische Philatelist und Philanthrop Jakob von Uexküll begründete 1980 den Alternativen Nobelpreis, mit dem humanitäre Projekte auf dem Weg zu einer bessern Welt ausgezeichnet werden. Auslöser war, dass v. Uexküll in den klassischen Nobelpreis-Kategorien vor allem die Interessen der Industrie-Länder widergespiegelt sah und sich in seinen Augen keine Kategorie mit den aktuellen globalen Herausforderungen beschäftigte. Er schlug also dem Nobelkomitee vor, zwei neue Preise zu stiften. Einer sollte für den Bereich Ökologie vergeben werden, der andere für Aktivitäten, die das Leben der Armen verbessern. Doch das Nobelkomitee lehnte ab und so gründete v. Uexküll die Sitfung zur Vergabe der Right Livelihood Awards und stattete sie mit 1 Millionen US-Dollar aus. Inzwischen ist der Alternative Nobelpreis finanziell durch weitere Privatspenden abgesichert und wird im schwedischen Parlament verliehen.
2000 initiierte v. Uexküll den Weltzukunftsrat World Future Council, in dem sich 100 global bekannte und mächtige Personen als „Bewahrer und Hüter der Erde für zukünftige Generationen“ mit den drängenden Problemen aus Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft befassen.
Im Jahr 2005 wurde v. Uexküll für seine Verdienste vom Time Magazin in die Liste der europäischen Helden aufgenommen. Mit der Auszeichnung werden Menschen geehrt, die durch Geist und Tat die Welt ein wenig besser machen.

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