Planet Diversity World Congress on the Future of Food and Agriculture

MANIFEST

Wir, Bürgerinnen und Bürger des Planeten der Vielfalt, sind aus allen Teilen der Erde zusammengekommen, um den Reichtum der biologischen und kulturellen Vielfalt zu feiern und zu ehren. Wir haben diese Vielfalt geerbt und sind entschlossen, dieses Erbe unvermindert und unbeschädigt an die Generationen nach uns weiterzugeben.

Wir treten der Hoffnungslosigkeit einer Welt entgegen, die sich auf Konsum, Wettbewerb und Zerstörung konzentriert und akzeptieren Missgunst, Geiz, Gewalt oder Angst nicht als Grundlage unserer Beziehungen untereinander und zu anderen Lebewesen. Wir wissen, dass eine andere Welt möglich ist, deren Grundlagen Gerechtigkeit, Gleichheit der Chancen und Frieden sind.

Alle Gegenden dieser Welt und alle Ökosysteme sind gleich wertvoll und erhaltenswert. Besonders kostbar sind uns jene Regionen der Welt, aus denen die Vielfalt der Lebensmittel entspringt, von denen wir alle abhängen.

Deshalb treten wir für die Pflege und Wiedergeburt des lokalen und regionalen Umgangs mit Natur und Kultur ein und wenden uns gegen eine gleichschaltende Globalisierung. Gemeinsam streben wir nach Gerechtigkeit und Gegenseitigkeit und bekämpfen alle Formen der Herrschaft über Menschen und andere Lebewesen.

Denn wir begreifen uns nicht als Herren uns Meister der Natur, sondern als ein Teil von ihr.

Wir streben nach Weisheit, in der sich Wissensdrang und Vorsicht paaren, so dass die Natur, die wir lieben und zu hegen und verstehen suchen, keinen Schaden nimmt. Wir kritisieren Arroganz und Gier, die dieses Vorsorgeprinzip missachten und damit die Grundlagen des Lebens auf dieser Erde gefährden.

Wir erstreben eine Welt, in der die Gesundheit aller Menschen und ihre Versorgung mit nahrhaften, sicheren und bezahlbaren Lebensmitteln gewährleistet werden.

Wir achten vorbehaltlos die Schönheit, Vielfalt, allseitige Verbundenheit und gegenseitige Abhängigkeit aller Lebewesen voneinander. Soweit es sich um unsere eigene Spezies handelt, gilt unsere besondere Wertschätzung

  • den HüterInnen des Saatguts und den BewahrerInnen traditionellen Wissens, denen, die gesunde Pflanzen säen, sammeln und ernten und denen, die sie als „slow food“ zubereiten und essen,
  • den Bäuerinnen, Kleinbauern und LandarbeiterInnen, die uns bis heute ernährt und erhalten haben und uns jetzt und in Zukunft ernähren und erhalten,
  • den AktivistInnen, die Transparenz und Öffentlichkeit, Verantwortung , Haftung und Öffentlichkeit fordern und erkämpfen,
  • den KünstlerInnen und DichterInnen, die uns die Augen, Ohren und Herzen öffnen,
  • den FriedensstifterInnen, die uns gegenseitigen Respekt und Hilfe vorleben und lehren,
  • den WissenschaftlerInnen, von denen wir lernen, im Einklang und in Zusammenarbeit mit der Natur zu handeln,
  • die Gelehrten, die uns daran erinnern, wie viel wir vergangenen Generationen schulden,
  • und die Propheten, die uns warnen, dass die kommenden Generationen über uns urteilen werden.
Schließlich danken wir auch all denen, deren Meinungen und Handlungen wir kritisieren, denn sie nötigen uns – so wie wir sie – zu mehr Klarheit und Klugheit.

Ihnen allen gilt unsere Achtung, denn wir alle miteinander sind die glücklichen Erben und die verantwortlichen Ahnen unserer gemeinsamen Heimat, „Planet Diversity“.

 

Audioversion (mp3, 3 MB, Englisch)

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Manifesto de Planedo Diverseco (in Esperanto)

Dieses Manifest wurde (im Englischen Original) von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern von "Planet Diversity" am 16. Mai 2008 in Bonn angenommen. Es beruht auf ihren Beiträgen und Kommentaren und soll auch weiterhin ein lebendiges Dokument bleiben. Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Forderungen des Abschluß – Plenums von Planet‐Diversity am 15.Mai 2008 in Bonn

1. Wir fordern ein weltweites Moratorium für den Einsatz von Agrar‐Sprit und von gentechnisch manipulierten Pflanzen und Tieren.

2. Ernährungs‐Souveränität und Selbstbestimmung für alle Gemeinden, Regionen und Länder des Südens und des Nordens sind die Grundlage sicherer, nachhaltiger und fairer Lebensmittelproduktion. Dem dürfen die Welthandelsorganisation WTO, bilaterale Handelsabkommen und die Macht transnationaler Handels‐, Agrar‐ und Saatkonzerne nicht im Wege stehen.

3. Kein Patent auf Leben! Die Vielfalt des Lebens ist kein Privatbesitz.

4. Bäuerinnen und Bauern haben das Grundrecht auf Austausch, Erhaltung, Nachbau, Weiterentwicklung und Verkauf ihres Saatgutes, das ihnen weder von Saatgutkonzernen noch von nationalen und internationalen Nutzungsverboten genommen werden darf.

5. Keine Spekulation mit unseren Lebensmitteln und dem Land, das sie hervorbringt!

6. Wirtschaftliche Vielfalt im Landwirtschafts‐ und Lebensmittelbereich ist nur möglich, wenn globale und nationale Monopole für Saatgut, Agrarproduktion und –handel aufgelöst und entflochten werden.

7. Frauen sind die Bewahrerinnen der Vielfalt und das Rückgrat der Landwirtschaft. Ihnen stehen deshalb mindestens die gleichen Rechte zu.

8. Forschung und Entwicklung müssen für und mit den Bäuerinnen und Bauern auf der Grundlage der ganzen Vielfalt unseres Wissens und aller Traditionen sowie des Respekts vor allen Kreaturen betrieben werden.

9. Vielfalt statt Monokulturen – lokal, vielfältig und gentechnikfrei!

Audioversion (mp3, 850 KB)

Druckversion (pdf)

Dieses Forderungen wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern von "Planet Diversity" am 16. Mai 2008 in Bonn angenommen.

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Das Organisationsteam